Angedacht von Pfarrer Gebhard Müller

Angedacht

Liebe Gemeindeglieder,
„Lätare! Freut euch!“, so heißt der kommende Sonntag, mitten in der Passionszeit.
Nicht nur in der Passionszeit, die wir in diesen Tagen begehen, wirkt dieser Name deplatziert. Gerade in dieser Zeit, in der unsere Welt durch die Corona-Pandemie ins Wanken gerät, wirkt dieser Name des Sonntags noch deplatzierter. Mit Freude tun wir uns in diesen Tagen schwer.

Ich möchte Ihnen allen dennoch Worte und Gedanken mit in das Wochenende geben, die Ihnen ein wenig Trost, Zuversicht und Hoffnung schenken mögen.
Die Passionszeit ist eine Zeit, in der wir den leidvollen Weg Jesu mitgehen. Dieser Weg ist ein Weg vom Leben ins Sterben. Wir gehen hinauf nach Jerusalem, werden sehen wie Jesus sterben und tot sein wird. Am Ende dieses Weges aber beginnt ein neuer Weg. Der Weg des Lebens.

 


Der Sonntag „Lätare“, dieser kommende Sonntag wagt diesen Blick über das Leid und Elend hinaus auf das Ostergeschehen. Gott kehrt alle Maßstäbe um. Tod bleibt nicht Tod, Schmerz bleibt nicht Schmerz, aus Tod wird Leben, aus Schmerz wird Trost und Freude.

Tröstend soll uns dies sein. Und es ist ein Trost, der uns versteht. Es ist ein Trost, den Jesus uns zusagt. Nur der kann trösten, der Trauer und Schmerz erfahren und selbst ausgehalten hat. Das ist kein Trost, der sagt: „Kopf hoch, es wird schon wieder!“ Das ist ein Trost, der schweigt, der mitleidet, der aushält.

„Gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel“,
so beten wir in unseren Gottesdiensten, immer und immer wieder.
Diese Worte aus unserem Glaubensbekenntnis wollen uns tragen durch diese schwere Zeit. Diese Worte können uns Kraft spenden. Diese Worte sind Erinnerung daran, dass wir Anteil haben an Jesu Leben, seinem Tod und der Auferstehung. Diese Worte sind Erinnerung daran, dass Gott uns zur Seite steht und uns aufhilft.

Und vielleicht möchten Sie mit mir dieses Gebet sprechen:

Gebet während einer Pandemie

Mögen die, deren Alltag nun Einschränkungen unterliegt,
sich an die erinnern, deren Leben bedroht ist.
Mögen die, die zu keiner Risikogruppe gehören,
sich an die erinnern, die am stärksten verwundbar sind.
Mögen die, die den Vorteil von Heimarbeit haben,
sich an die erinnern, die sich Kranksein nicht leisten können und zur Arbeit müssen, um ihre Miete zu bezahlen.
Mögen die, die eine flexible Kinderbetreuung haben, wenn Schulen und Kitas geschlossen sind,
sich an die erinnern, die diese Möglichkeit nicht haben.
Mögen die, die Reisen absagen müssen,
sich an die erinnern, die keinen sicheren Zufluchtsort haben,
Mögen die, die etwas zurückgelegtes Geld in den Turbulenzen des Börsenmarktes verlieren,
sich an die erinneren, die gar keine Rücklagen haben.
Mögen die, die zu Hause in Quarantäne bleiben müssen,
sich an die erinnern, die kein Zuhause haben.
Während Furcht sich unseres Landes bemächtigt,
lass uns auf Liebe setzen.
Wenn wir uns körperlich nicht in den Arm nehmen können,
lass uns andere Wege finden, wie wir an unsere Nächsten weitergeben, dass Gott uns umarmt.

Amen.

 

Dieses Gebet von Cameron Wiggins Bellm wurde in der Facebook-Gruppe Holy Pandemic! Encouragement & Memes von Heidi Campbell‎ veröffentlicht und von Ralf Peter Reimann ins Deutsche übersetzt

Gottes Segen Ihnen und Ihren Lieben,
Ihr
Pfarrer Gebhard Müller

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